Krankengeld: Wie viel bekomme ich wirklich? Berechnung, Beispiele, Grenzen
70 % des Bruttogehalts — aber was bedeutet das konkret? Wir erklären die Krankengeld-Berechnung mit Beispielen, Obergrenzen und dem tatsächlichen Verdienstausfall.
"70 Prozent" klingt nach einer klaren Zahl. Ist es aber nicht — weil 70 Prozent von was, bis zu welcher Grenze, und im Vergleich zu was entscheidend ist.
Hier ist die vollständige Berechnung, mit konkreten Zahlen.
Die Formel
Krankengeld pro Kalendertag = Bruttogehalt ÷ 30 × 0,70
Wichtig: Es gibt zwei Obergrenzen:
- Maximal 70 % des beitragspflichtigen Bruttoeinkommens
- Maximal 90 % des Nettoeinkommens
- Absolute Obergrenze: 120,75 € pro Kalendertag (Stand 2025)
In der Praxis greift meistens Grenze 1. Die absolute Obergrenze ist ab einem Bruttogehalt von ca. 5.175 €/Monat relevant.
Beispiele
| Brutto/Monat | Krankengeld/Tag | Krankengeld/Monat | Netto (ca.) | Ausfall/Monat |
|---|---|---|---|---|
| 2.000 € | 46,67 € | 1.400 € | 1.460 € | 60 € |
| 3.000 € | 70,00 € | 2.100 € | 2.190 € | 90 € |
| 4.000 € | 93,33 € | 2.800 € | 2.920 € | 120 € |
| 5.000 € | 116,67 € | 3.500 € | 3.650 € | 150 € |
| 6.000 € | 120,75 € | 3.623 € | 4.380 € | 757 € |
Ab 5.175 € Brutto greift die Tageshöchstgrenze. Der Verdienstausfall wird dann deutlich größer.
Was vom Krankengeld noch abgezogen wird
Das Krankengeld ist nicht brutto wie das Gehalt — aber auch nicht komplett steuerfrei.
Sozialversicherungsbeiträge werden abgezogen: Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (ca. 11 % zusammen) werden vom Krankengeld einbehalten.
Krankengeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt: Das Krankengeld selbst ist steuerfrei — aber es erhöht den Steuersatz auf das übrige Jahreseinkommen. Wer mehrere Monate Krankengeld bezieht, kann am Jahresende eine Steuernachzahlung erleben.
Praxistipp: Wer absehen kann, dass er mindestens 3 Monate Krankengeld bezieht, sollte frühzeitig Steuervorauszahlungen oder eine Rücklage einplanen.
Was ist der Unterschied zwischen Lohnfortzahlung und Krankengeld?
Oft werden diese beiden Dinge verwechselt:
Lohnfortzahlung (Entgeltfortzahlung):
- Zahlt der Arbeitgeber
- Dauer: 6 Wochen (42 Tage) bei gleicher Erkrankung
- Höhe: 100 % des Bruttolohns — kein Verdienstausfall
Krankengeld:
- Zahlt die Krankenkasse
- Beginnt ab dem 43. Krankheitstag
- Höhe: 70 % des Bruttogehalts — spürbare Einkommensreduktion
Der Übergang von der Lohnfortzahlung zum Krankengeld ist für viele der erste Moment, in dem die finanzielle Auswirkung einer langen Erkrankung spürbar wird.
Krankengeld für Selbstständige
Selbstständige und Freiberufler haben grundsätzlich keinen Anspruch auf Krankengeld — es sei denn, sie haben die Krankengeld-Option bei ihrer freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung gewählt.
Diese Option kostet einen Aufpreis und muss beim Krankenkasseneintritt oder zu einem Wechseltermin aktiv gewählt werden.
Wer als Selbstständiger ohne Krankengeld-Option länger krank wird, ist allein auf Ersparnisse und private Absicherung (Krankentagegeld-Versicherung) angewiesen.
Bekomme ich Krankengeld auch als Minijobber?
Nein. Minijobber (450-/520-€-Basis) sind zwar krankenversichert — aber nur im eingeschränkten Umfang. Krankengeld gibt es für Minijobber nicht. Die Krankenkasse übernimmt Behandlungskosten, nicht aber den Einkommensausfall.
Was ist wenn ich bei mehreren Arbeitgebern beschäftigt bin?
Alle Bruttogehälter werden summiert — bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Das Krankengeld berechnet sich dann auf Basis des Gesamteinkommens.
Beeinflusst ein Bonus oder Weihnachtsgeld das Krankengeld?
Ja. Einmalige Zahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Bonus) werden anteilig auf das Jahreseinkommen umgerechnet und fließen in die Krankengeld-Berechnung ein — wenn sie in den letzten 12 Monaten vor der Erkrankung gezahlt wurden.
Alle Beträge: Stand 2025. Angaben ohne Gewähr.